Baumwolle

Fairtrade Baumwolle

Als königliche Faser der Textilindustrie gibt die Baumwolle seit Jahrzehnten Millionen Personen auf der ganzen Welt ein angenehmes Tragegefühl, von denen die große Mehrheit in Entwicklungs- oder Schwellenändern lebt. Viele Produzenten und Arbeiter dort leiden unter großer Armut, schwierigen Arbeitsbedingungen und den Folgen eines stark verschmutzten Umfelds. Der faire Handel antwortet auf diese Missstände mit wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Standards.

1. Die großen Herausforderungen in der Baumwoll-Branche

Baumwolle macht heute etwa ein Viertel der Stoffe aus, die weltweit hergestellt werden. Innerhalb eines halben Jahrhunderts hat sich die weltweite Produktion mehr als verdoppelt! Baumwolle wird auf fünf Kontinenten unter unterschiedlichen Bedingungen angebaut, die von intensiver Monokultur bis zum traditionellen Anbau in kleinen Bauernbetrieben reichen. In Afrika und Asien sind Millionen Kleinproduzenten und -produzentinnen, die am Anfang der Versorgungskette stehen, sehr gefährdet. Die Arbeiter*innen der Textilindustrie leiden unter sehr schwierigen Arbeitsbedingungen.

Das unzureichende und unsichere Einkommen kleiner Baumwollproduzenten

Der zu geringe Preis für Baumwolle deckt nicht die Produktionskosten

In vielen Ländern Zentral- oder Ostafrikas hat die Baumwolle eine beträchtliche wirtschaftliche und soziale Bedeutung. In Mali zum Beispiel dient der Baumwollanbau als Lebensgrundlage für rund 4 Millionen Menschen und ist das wichtigste Exportgut des Landes. Die Produzent*innen sind trotzdem seit 1970 von den stetigen Preissenkungen betroffen.

Die Preise schwanken je nach Angebot der Exportländer und der Nachfrage einer mächtigen Textilindustrie

Die Baumwolle bekommt zunehmend Konkurrenz von synthetischen Fasern wie Polyester und Nylon. Das erschwert den Kleinbauern wiederum die Planung von Projekten in der Zukunft, da sie unbestimmt und nur schwer vorhersagbar ist.

Die starken Subventionen führen bei den Kleinproduzenten in weniger „fortschrittlichen“ Ländern zu einer ungleichen Konkurrenz

Die starken Subventionen kommen vor allem den Produzenten in Ländern mit großem Baumwollangebot zugute, insbesondere in China und den USA, führen aber bei den Kleinbauern in weniger „fortschrittlichen“ Ländern zu einer ungleichen Konkurrenz. Das typische Beispiel sind hier die USA: Wichtige öffentliche Hilfestellungen halten das Produktionsniveau aufrecht, sodass die Baumwolle zu einem wettbewerbsfähigen Preis exportiert werden kann, obwohl die Produktionskosten für Baumwolle in den USA die höchsten weltweit sind. Die Kleinproduzenten müssen daraufhin gezwungenermaßen ebenso versuchen, ihre Produktionskosten weiter zu senken, um näher an die unerreichbare Konkurrenz heranzukommen.

Umweltzerstörung in besorgniserregendem Ausmaß

Baumwolle ist eine der umweltschädlichsten Anbaupflanzen der Welt!

Durch die großen Wassermenge, die für die Bewässerung benötigt werden (außer in Afrika, wo der Großteil der Baumwollpflanzen Regenpflanzen sind) und die chemischen Produkte, die die Baumwolle zum Wachsen benötigt, ist sie eine der am stärksten umweltbelastenden Anbaupflanzen auf der Welt. Laut Angaben von UN-Experten führt die weltweite Nutzung von Pestiziden jedes Jahr zum Tod von über 200.000 Menschen. Diese Todesfälle treten meistens in Entwicklungsländern auf.

Die genetisch veränderte Baumwolle umfasst 81% der weltweiten Baumwoll-Produktion

Unter extremem wirtschaftlichem Druck haben die Produzenten oft keine andere Wahl, als genetisch verändertes Saatgut zu benutzen, welches einen besseren Ertrag und die Verwendung von weniger chemischen Stoffen verspricht. Im Gegenzug verschulden sich viele Bauern jedoch, um sich das Saatgut beschaffen zu können, was wiederum alarmierende Konsequenzen hat: In Indien beispielsweise ist die Selbstmordrate bei den Baumwollproduzenten enorm gestiegen.

Erosionsprobleme und eine sinkende Bodenfruchtbarkeit

Diese Probleme entstehen vor allem durch Monokulturen, Anbautechniken oder auch die Verwendung von Pestiziden und chemischem Dünger.

Die Produzenten im Globalen Süden sind die ersten Opfer des Klimawandels

Sowohl die Produzenten wie auch die Länder des Südens im Allgemeinen sind im Hinblick auf den Klimawandel sehr angreifbar.

Schwere Arbeitsbedingungen

Kinderarbeit ist in jeder Etappe der Baumwollverarbeitung weit verbreitet

Das Einsammeln der Baumwollblüten auf dem Feld erfordert eine effiziente Handarbeit, besonders in armen Ländern, wo der Anbau noch manuell durchgeführt wird. Auch in den anschließenden Textilmanufakturen ist Kinderarbeit noch gängig, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten und die Arbeitskosten zu senken. Besonders in Bangladesch, wo die Arbeitskosten die niedrigsten in der gesamten Textilindustrie sind, ist Kinderarbeit sehr geläufig.

 In der Kleidungsindustrie sind die Arbeitsbedingungen besonders schlecht und die Arbeitstage sehr lang

Arbeiterinnen und Arbeiter, die versuchen, Gewerkschaften zu gründen, sehen sich mit Morddrohungen und körperlicher Gewalt konfrontiert.

 

2. Fairtrade-Baumwolle als Antwort

Fairtrade unterstützt mehrere zehntausend Produzenten, die einen traditionellen und familiären Baumwollanbau durchführen, sowie Arbeiter in der Textilindustrie.

Die Produzentenkooperativen

Um von der Fairtrade-Zertifizierung profitieren zu können, schließen sich die Kleinproduzenten in Kooperativen zusammen, die ihnen mehr Gewicht auf dem Weltmarkt geben. Dadurch können sie direkte und langanhaltende, wirtschaftliche Partnerschaften mit Herstellern oder Marken aufbauen. Die demokratische und transparente Verwaltung der Genossenschaften ermöglicht auch ein gemeinsames Bewusstsein für die soziale und ökologische Entwicklung, die für das Wohlergehen und die Zukunft der Gemeinschaften notwendig ist.

Zwei Ausnahmen: In Indien und Pakistan sind viele landwirtschaftliche Gemeinschaften nicht direkt als Kooperativen organisiert, allerdings liefern diese ihre Baumwolle direkt an ein Unternehmen. Dieses Unternehmen muss natürlich auch die spezifischen Pflichten und Standards von Fairtrade einhalten, welche für Organisationen gelten, die auf Handarbeit angewiesen sind. Es wird von FLOCERT kontrolliert, was sicherstellt, dass das zusätzliche Geld beim Verkauf der Baumwolle wirklich die Baumwoll-Produzent*innen erreicht.

Der garantierte Mindestpreis

  • Die Produzenten und Produzentinnen erhalten für ihre Ernte einen garantierten Mindestpreis, welcher anstrebt, die Produktionskosten und ihre Grundbedürfnisse zu decken. Dieser wird für jede Anbauregion und jedes Anbauprodukt spezifisch festgelegt, in Indien hängt er außerdem von der Länge der Faser ab.
  • Der Mindestpreis funktioniert wie ein Sicherheitsnetz, wenn die Weltmarktpreise fallen. Wenn die Preise steigen, steigen die Preise für die Fairtrade Produzenten ebenso mit. Sie können mehr über den Mindestpreis und die Entwicklungsprämie auf der Seite von Fairtrade International nachlesen.

Die Fairtrade-Prämie

  • Es handelt sich hierbei um eine Geldsumme, die zusätzlich zum Einkaufspreis bezahlt wird und für Projekte verwendet wird, die der gesamten Gemeinde zugutekommen. Sie wird an die Produzentenkooperativen bezahlt, welche über ihre Verwendung je nach ihren Bedürfnissen demokratisch entscheiden.
  • Obwohl viele Produzenten und Produzentinnen in eingeschlossenen Zonen leben und arbeiten, müssen sie trotzdem viel in Infrastruktur und andere soziale Dienste investieren, um ihre Grundbedürfnisse zu decken (Trinkwasser, Gesundheit, Bildung …), nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken zu fördern. Außerdem verwenden sie ihre finanziellen Mittel für Maschinen und Werkzeuge, die ihnen die Arbeit erleichtern.

Die Regelung der Arbeitsbedingungen

  • Der Aufgabenbereich und die Standards von Fairtrade verbieten Kinderarbeit und Zwangsarbeit in jeglicher Form und entsprechen somit den Richtlinien der internationalen Arbeitsorganisation (ILO).
  • Die Vorteile des fairen Handels (gerechte Preise, Ausbildung, Investition in die Schulbildung der Kinder, …) streben auf lange Sicht bessere Lebensbedingungen der Familien und der gesamten Gemeinde an.

Maßnahmen zum Umweltschutz

Das Fairtrade-Label umfasst auch die Einhaltung strenger Umweltkriterien, um die natürlichen Ressourcen und die Gesundheit der Menschen zu schützen:

  • Die GMO (genetisch modifizierte Organismen) und gefährliche chemische Substanzen sind verboten.
  • Die Produzenten engagieren sich für den Schutz der natürlichen Ressourcen, insbesondere durch eine effiziente Wassernutzung.
  • Eine zusätzliche Prämie unterstützt den Bio-Baumwollanbau.

Zahlreiche Produzentenkooperativen entscheiden sich ebenfalls dazu, ihre Entwicklungsprämie in nachhaltigere landwirtschaftliche Anbaumethoden zu investieren, oftmals auch um auf den biologischen Anbau umzusteigen: Bewässerungssysteme, Samenbänke, Fruchtfolgen, Bodenauflockerung …

Die Kooperative Kédougou im Senegal

Die Kooperative Kedougou ist seit 2005 Fairtrade-zertifiziert. Heute umfasst sie 2754 Mitglieder, davon 21% Frauen, was vor dem soziokulturellen Hintergrund des Landes von großer Bedeutung ist. Sie erhalten Zugang zu Land, Krediten und zu landwirtschaftlichen Werkzeugen.

Die Entwicklungsprämie wurde bislang für den Bau von Schulen und Brunnen, die Eröffnung von Gesundheitscentren, die Instandsetzung von Straßen und den Kauf von Mühlen  verwendet.