Kaffee

Kaffee ist ein weltweit bekanntes Verbraucherprodukt, nach Erdöl der zweitmeist exportierte Rohstoff der Welt und das Wahrzeichen und historische Produkt des fairen Handels. Kaffee war tatsächlich das allererste Produkt, das mit dem Fairtrade-Label ausgezeichnet wurde. Heute befinden sich die weltweiten Kaffeepreise auf dem niedrigsten Stand seit 2006 und bedrohen somit das Überleben der 17,7 Millionen Kleinbauern in Lateinamerika, Afrika und Asien, die mehr als 80% der globalen Kaffeeproduktion ausmachen. Dennoch werden täglich mehr als 2 Milliarden Tassen Kaffee getrunken und ein Umsatz von rund 200 Milliarden US-Dollar pro Jahr erzielt.[1] Auch heute noch müssen die meisten Kaffeebauern mit weniger als 2 $ pro Tag auskommen und besitzen weniger als 10 Hektar Ackerland. Die Produzenten unterliegen lokalen Zwischenhändlern und haben keinen Zugang zu Markt- oder Preisinformationen. Rund 45 % des Weltkaffeemarktes werden von fünf multinationalen Unternehmen verwaltet.

Kaffee, der Ursprung des Fairen Handels

Das Fairtrade-Siegel entstand 1988 als Antwort aus dem Wunsch der mexikanischen Kaffeeproduzenten von UCIRI (Unión de Comunidades Indígenas de la Región del Istmo), den sie zwei Jahre zuvor geäußert hatten: "Es ist gut, jedes Jahr Ihre Spenden zu erhalten, um eine kleine Schule zu bauen, um die Armut erträglicher zu machen. Aber wirkliche Unterstützung würde bedeuten, einen faireren Preis für unseren Kaffee zu erhalten.

1981 nahm Francisco van der Hoff an einem Treffen von etwa hundert Kaffeebauern in Mexiko teil, die eine Kooperative gründen wollten, in der Hoffnung, ihre Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern. Dieses Treffen legte den Grundstein für die Gründung der Unión de Comunidades Indígenas de la Región del Istmo im Jahr 1983 (UCIRI). Im Jahr 1985 traf Francisco van der Hoff Nico Roozen von der NGO "Solidaridad".

«Solidaridad» beschränkte sich damals noch darauf, Geld in Entwicklungsländer zu schicken. Aber die NGO erkannte schnell, dass dies das Schlimmste war, was sie tun konnte, denn um Armut und Ausbeutung zu bekämpfen, war es notwendig, sich mit strukturellen Fragen auseinanderzusetzen und vor allem einen fairen Preis für Rohstoffe zu zahlen. Zu diesem Zeitpunkt entstand die Idee eines "Labels" zur Kennzeichnung von Konsumgütern, die unter besseren Arbeitsbedingungen hergestellt wurden. Die erste Packung Fairtrade-Kaffee, das von der UCIRI- Kooperative produziert wurde, wurde 1988 an den Ehemann von Königin Beatrix der Niederlande übergeben. Dies markierte den Beginn des sogenannten Fairen Handels. "Aus dieser Erfahrung heraus bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es möglich ist, das dominante System im globalen Maßstab zu verändern", sagte Francisco Van Der Hoff während seines Besuchs in Luxemburg im Juni 2015.

[1] CAFÉ : la success story qui cache la crise

 

1. Die großen Herausforderungen des Kaffeesektors

Unzureichende und unsichere Einnahmen für kleine Kaffeeproduzenten

Auf dem Weltmarkt für Kaffee können die Preise unter Umständen sehr niedrig sein, was eine unaufhaltsame Verarmung der Kleinproduzent*innen zur Folge hat.

Der globale Kaffeesektor befindet sich in einer beispiellosen Preiskrise, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen außerhalb dieser komplizierten Lieferketten, die den Kaffee von den Plantagen in unsere Tasse bringen, ignoriert wird. Dabei belegt Kaffee gleich nach Erdöl den zweiten Platz in der Handelsbilanz; sein Preis ändert sich im Durchschnitt alle drei Minuten. Im Allgemeinen sind solche Schwankungen auf Wetterereignisse in einem Herstellerland, Währungsschwankungen oder die grundlegende Dynamik von Angebot und Nachfrage zurückzuführen. Die aktuelle Preiskrise jedoch begründet sich in der unglücklichen Kombination mehrerer Bedingungen - etwa die Zunahme und das Überangebot der Hedge-Fonds-Aktivität, die eine völlig unhaltbare Situation für die Kaffee produzierenden Familien geschaffen hat. Ein kürzlich veröffentlichter Marktbericht von Volcafé, einem führenden Exporteur, zeigt, dass fast 61% der Produzenten ihren Kaffee zu Preisen verkaufen, die unter den Produktionskosten liegen. Der weltweite Kaffeesektor erwirtschaftet heute zwar mehr als 200 Milliarden Dollar pro Jahr, aber das Durchschnittseinkommen der Produzenten hat sich innerhalb der letzten 20 Jahren nicht verändert; tatsächlich ist es sogar zurückgegangen, wenn man den Anstieg der Produktionskosten berücksichtigt.

Die geringe Verhandlungsmacht der kleinen Produzenten

Die Verhandlungsmacht der Kleinproduzenten ist gering.

Kleine Kaffeeproduzenten sind von wenigen Händlern abhängig. Diejenigen, die keiner Kooperative angehören, sind besonders gefährdet und haben darüber hinaus keinen Zugang zu Markt- und Preisinformationen. Hinzu kommt, dass die Kaffeebauern kein Mitspracherecht bei den multinationalen Röstereien haben: Nur fünf Unternehmen halten rund 45 % des Weltmarktes.

Was sagt uns die Studie « Café : la success story qui cache la crise (2018) » ?

Einer Studie zufolge steigen die Einkommen von Herstellern und Marken ständig, während die der Produzenten stagnieren oder sogar sinken. Sie leiden auch unter den "versteckten" Kosten einer nicht nachhaltigen Produktion: Klimawandel, Umweltverschmutzung, Armut usw. Eine kürzlich von BASIC (Bureau Analyse Sociétale pour une Information Citoyenne) durchgeführte Studie stellt die Nachhaltigkeit des Kaffeesektors in Frage und hebt seine (Dys)Funktion hervor. Gleichzeitig verweist sie auf die Auswirkungen bestehender Alternativen wie Fairtrade und ökologischer Landbau, genauso wie auf die Hebel, die zur Gewährleistung seiner Nachhaltigkeit eingesetzt werden müssen.

Die Studie « Café : la success story qui cache la crise (2018) » ?

Erfahren Sie mehr über die Studie

 

Klimawandel

Der Klimawandel stellt die Produzenten vor große Herausforderungen.

Kaffeepflanzen reagieren sehr empfindlich auf Temperaturschwankungen. Eine Temperaturerhöhung um 1 Grad Celsius hat nachweislich Auswirkungen auf die Kaffeequalität. Zunehmend zufällige, starke Regenfälle und Dürren machen es sehr schwierig, den Saisonertrag vorherzusagen. Diese klimatischen Gefahren, verbunden mit steigenden Temperaturen, begünstigen auch das Auftreten von Krankheiten und Schädlingen (Insekten, Pilze usw.). Insbesondere der Kaffeerost, eine Pilzerkrankung, die sowohl Ertrags- als auch Qualitätseinbußen verursacht, richtet derzeit in vielen Produktionsregionen verheerende Schäden an (mehr als 50% der gesamten Produktionsfläche in Mittelamerika, 30 bis 40% in einigen südamerikanischen Ländern). Ein Temperaturanstieg von 2 Grad Celsius führt zu einer geringeren Ernte. Ein Temperaturanstieg von 3 Grad Celsius erschwert das Überleben der Pflanze. Der Klimawandel verschlimmert die Arbeit von Millionen von Kaffeebauern, weil er unvorhersehbare Wetterbedingungen mit sich bringt und die Verbreitung bestimmter Schädlinge und Krankheiten fördert. So ist beispielsweise der Pilz "Hemileia vastatrix" in einigen Teilen Lateinamerikas von großer Bedeutung. Dieser Parasit infiziert Kaffeebäume, was dazu führt, dass Blätter abfallen und die Pflanze in manchen Fällen abstirbt.

Die Folgen sind verheerend für die Landwirte, die auf kleinen Anbauflächen arbeiten. Da ein Kaffeebaum erst vier Jahre nach dem Einpflanzen Früchte trägt, reicht bereits eine kurze Abfolge schlechter Saisons, bis die Bauern die Pflanzen nicht mehr erneuern können.

Durch den Klimawandel haben viele Produzenten den Großteil ihrer Produktion und damit ihre einzige Einnahmequelle verloren.

2. Welche sind die wichtigsten Normen für den Fairtrade-Kaffee-Sektor?

Die Produzenten können einer besseren Zukunft entgegensehen

⇒ Die Produzenten vereinen sich in transparenten und demokratischen Kooperativen, die sie stärker machen: Ihre Verhandlungsmacht ist höher, sie bauen stärkere Verbindungen zu Käufern auf und werden effizienter.

Sie können gemeinsam Investitionen tätigen und im Sinne der sozialen und ökologischen Entwicklung ihrer Gemeinden handeln.

⇒ Fairtrade ist das einzige internationale Nachhaltigkeitslabel, das einen Mindestpreis für Kaffee garantiert, der als Sicherheitsnetz fungiert. Fairtrade-zertifizierte Kaffeekooperativen erhalten derzeit den Fairtrade-Mindestpreis von 1,4 $ pro Pfund (40% über dem Marktpreis), bzw. 1,7 $ pro Pfund, wenn der Kaffee aus biologischem Anbau stammt. Die Produzenten können auf diese Weise bis zu doppelt so viel erhalten wie auf herkömmlichen lokalen Märkten. Den Mindestpreis und die Entwicklungsprämie können Sie auf der Website von Fairtrade International einsehen.

Liegen die Weltmarktpreise über dem garantierten Mindestpreis, profitieren die Produzenten und können über einen besseren Preis verhandeln.

Kooperativen profitieren ebenfalls von der Fairtrade-Prämie, die sich auf 0,2 US-Dollar pro Pfund beläuft. Von dieser werden mindestens 25% in Produktivitäts- und Qualitätsinitiativen investiert. Die Kooperativen bringen den Rest in Projekte ihrer Wahl ein: Produktionsausstattung, kommunale Gesundheitsdienste usw. Im Jahr 2017 erhielten die Fairtrade-Kaffeeproduzenten durch den Verkauf von Fairtrade-Kaffee mehr als 94 Millionen Dollar an Prämie.

Mindestens 5 Cent der Fairtrade-Prämie müssen in die Verbesserung der Produktivität und/oder Qualität von Fairtrade-Kaffee investiert werden. Die Investition kann durch einzelne Mitglieder und/oder Produzentenorganisation erfolgen. Die Generalversammlung der Produzentenorganisation entscheidet über die durchzuführenden Maßnahmen und Aktivitäten. Die Produzentenorganisation ist darüber hinaus verpflichtet, die Verwendung des Geldes nachzuverfolgen und zu erläutern, wie sie zur Verbesserung der Produktivität und/oder Qualität beiträgt.

Mehr über den Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie erfahren auf ⇒Fairtrade International.

Hier geht es zum "Monitoring Report 10th edition" über Kaffee

Verwendung der Fairtrade-Prämie in kleinen Produzentenorganisationen und der Fairtrade-Prämie in Bezug auf die SDGs

Der Zugang zu Krediten ist für eine große Zahl von Kleinproduzenten von großer Bedeutung. Dank der Fairtrade-Zertifizierung gelangen Kaffeekooperativen und ihre Mitglieder oft leichter an Finanzierungen oder an Kontakten von Mikrofinanzinstitutionen.

So hat beispielsweise die guatemaltekische Kooperative Fedecocagua ein Programm zur Vergabe von Kleinstkrediten zu niedrigen Zinssätzen ins Leben gerufen. Die Landwirte profitieren von Kreditverlängerungen, die ihnen über die Zeit bis zur nächsten Ernte hinweghelfen. Derlei Unterstützungsmaßnahmen richten sich insbesondere an Frauen, um ihnen mithilfe von Kleinkrediten die Gründung eines eigenen Unternehmens zu ermöglichen.

Der Kampf gegen Kinderausbeutung ist eine Priorität

Die Fairtrade-Bewegung setzt sich für die Bekämpfung der Ausbeutung und des Missbrauchs von Kindern durch Normen und die verschiedenen Programme der Produzentennetze ein. Die Anforderungen des fairen Handels zu Kinderarbeit basieren auf den Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO-Konvention 182 über die schlimmsten Formen der Kinderarbeit und ILO-Konvention 138 über das Mindestalter) und dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte des Kindes.

Der faire Handel verbietet die Beschäftigung von Kindern unter 15 Jahren und kein Kind unter 18 Jahren darf gefährliche Arbeiten verrichten oder Arbeiten, welche seine Gesundheit, Bildung oder Entwicklung gefährden. Wenn die nationalen Rechtsvorschriften ein höheres Mindestalter für Kinderarbeit vorsehen, dann verlangt der faire Handel von den Produzenten, dass sie die nationalen Rechtsvorschriften einhalten.

Um Kinderarbeit wirksam zu bekämpfen, setzt Fairtrade auch auf Trainingsprogramme, Informations- und Sensibilisierungskampagnen sowie die Unterstützung von Familien und Dorfgemeinschaften.

FLOCERT

Die Einhaltung der Fairtrade-Standards wird von FLOCERT, einem unabhängigen, ISO-zertifizierten Unternehmen, überprüft und umfasst angekündigte und unangekündigte Audits von zertifizierten Produzentenorganisationen und deren Betrieben. Verletzungen der Menschenrechte, einschließlich Menschenhandel, Zwangsarbeit oder der schlimmsten Formen der Kinderarbeit, führt zur sofortigen Aussetzung und zum Entzug der Zertifizierung. Es werden auch Sofortmaßnahmen zum Schutz der betroffenen Kinder ergriffen, indem mit den nationalen Kinderschutzbehörden und/oder Kinderrechtsorganisationen zusammengearbeitet wird, um das langfristige Wohlbefinden der Kinder zu gewährleisten.

Strenge Umweltkriterien fördern eine nachhaltige Landwirtschaft

Die Umwelt ist eine der fundamentalen Säulen des fairen Handels. Ziel ist es, die natürlichen Ressourcen zu erhalten, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren und sich dank der Kriterien der Arbeitsverteilung, der Investitionen über den Entwicklungszuschuss und der spezifischen Programme auch an die Auswirkungen des Klimawandels anzupassen:

⇒ Die Produzenten und Produzentinnen werden ermutigt, ihre Praktiken anzupassen, um den ökologischen Fußabdruck landwirtschaftlicher Aktivitäten zu verringern.

⇒ Natürliche Inputs werden bevorzugt und Pestizide werden im Rahmen der Notwendigkeit eingesetzt. Die Verwendung der gefährlichsten Chemikalien ist verboten, ebenso wie die Verwendung von GVO (Gentechnisch Veränderte Organismen).

⇒ Die Umstellung auf den ökologischen Landbau wird durch eine spezifische Prämie gefördert, um die Ökosysteme angesichts des Klimawandels zu stabilisieren.

⇒ Unterstützungsprogramme wie das Equity-Programm, dem das Westafrikanische Fairtrade Producers' Network (FTA-WA) als Partner angehört, ermutigen Kooperativen, mit Nichtregierungs-organisationen zusammenzuarbeiten, die Erfahrung im Umweltschutz besitzen. Dies dient insbesondere dem Erhalt der natürlichen und landwirtschaftlichen Artenvielfalt sowie dem Ziel, den Klimawandel einzudämmen.

Trainingskurse schärfen das Bewusstsein der Produzenten und Produzentinnen für verschiedene Themen, darunter die Bekämpfung des Klimawandels und nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken.

3. Beispiele für Kooperativen:

Die Vereinigung der Kooperativen kleiner Kaffeeproduzenten "UCA SOPPEXCCA""

SOPPEXCCA ist ein bekannter Name im nicaraguanischen Kaffeesektor. Unter der Leitung der charismatischen Geschäftsführerin Fatima Ismaël hat die Organisation eine wichtige Rolle dabei gespielt, den Bauern zu helfen, alte Geschlechterrollen aufzubrechen und ihren eigenen Kaffee zu produzieren, zu verwalten und zu vermarkten. Frauen stellen fast 40% der Unternehmensmitglieder und nehmen im Vorstand wichtige Rollen ein, indem sie im kleinen Rahmen an entscheidenen Diskussionen teilnehmen.

Als erstes nicaraguanisches Unternehmen mit einer Gender-Politik geht Soppexcca als Beispiel für alle Organisationen voran, die seinem Unternehmensmodell folgen wollen. Die Gleichstellungspolitik von Soppexcca entstand aus dem Austausch zwischen weiblichen und männlichen Mitgliedern. Dieser Austausch mündete in der Vorbereitung eines Politikvorschlag, der anschließend von der Mitgliederversammlung genehmigt wurde. Die Gleichstellungspolitik hat mithilfe von Sensibilisierungsmaßnahmen das Verhalten der Mitglieder, die Rollenverteilung in den Familien und die Gewohnheiten in den Gemeinden nachhaltig beeinflusst.

Aus diesem Grund haben die weiblichen Soppexcca-Mitglieder die Gruppe "Las Hermanas" gegründet, in der Frauen ihren eigenen Kaffee produzieren und vermarkten. Dieser Kaffee, der ausschließlich von den Frauen der Organisation hergestellt wird, stärkt nicht nur die Rolle der Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft, sondern verleiht ihnen auch eine gewisse wirtschaftliche Autonomie, die für diese Frauen, die oft alleinerziehende Mütter sind, notwendig ist. Die Gewinne aus dem Verkauf des Kaffees werden über die Fairtrade-Prämie in kommunale Projekte wie die Gebärmutterhalskrebsvorsorge investiert, die Frauen in Kooperativen und ihren Familien direkt zugutekommen. Ein weiteres Instrument, dass die Organisation zur Stärkung der Frauen einbringt, ist der Zugang zu Krediten für alle Mitglieder. Sie ermöglichen es ihnen, ihr eigenes Land zu kaufen oder sich in schwierigen Zeiten abzusichern.

"Die Unabhängigkeit einer Frau kann nur durch wirtschaftliche Unabhängigkeit und Sensibilisierung erreicht werden", sagt Fatima.

Neben der Unterstützung der weiblichen Mitglieder will Soppexcca auch Frauen helfen, die nur vorübergehend in der Kaffeebranche arbeiten. Etwa alleinerziehende Mütter, die häufig nur während der Kaffeeerntezeit beschäftigt sind und somit nur in diesen 4 Monaten ein festes Einkommen haben. Den Rest des Jahres versuchen sie, andere Anstellungen zu finden, um für ihre Kinder sorgen zu können.

Dem Wunsch nach mehr finanzieller Stabilität folgend, haben die Frauen sich mit der Hilfe der Organisation zusammengeschlossen und einen gemeinschaftlichen Lebensmittelladen eröffnet, der Basisprodukte anbietet und es ihnen ermöglicht, das ganze Jahr über ein Einkommen zu erzielen. In diesem Zusammenhang haben zehn der in der Kaffeetrocknungsanlage von Soppexcca beschäftigten Frauen kürzlich an einem Austausch mit einer multisektoralen Sesamproduktkooperative teilgenommen, die hauptsächlich aus Frauen besteht. Ziel war es, sie zu neuen Initiativen wie die Herstellung von Sesamkeksen zu inspirieren. So könnten die Mitarbeiterinnen von Soppexcca nicht nur eine zusätzliche Einkommensquelle, sondern mit zusätzlichen Fähigkeiten auch an Selbstwertgefühl gewinnen.

Bei Soppexcca ist die Stärkung der Frauen jedoch nur ein kleiner Bestandteil im Kampf für eine geschlechtergerechtere Gesellschaft. Fatima Ismaël ist der Ansicht, dass "wir für die Stabilität der Familie die Geisteshaltung der Frauen, aber auch die der Männer ändern müssen", und betont, wie wichtig es ist, dass Männer und Frauen zusammenarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen. Vor diesem Hintergrund organisiert Soppexcca Männlichkeitsworkshops für die jungen Söhne der Partner und Partnerinnen der Organisation, um sie für Geschlechterfragen zu sensibilisieren und den männlichen Chauvinismus herauszufordern. "Als Frau kann ich auch ein Multiplikator des Chauvinismus sein", erklärt die Geschäftsführerin und unterstreicht, wie entscheidend es ist, das Bewusstsein von klein auf zu schärfen.

Zur Würdigung der sorgfältigen Arbeit Soppexccas bei der Förderung von Gleichberechtigung und Gerechtigkeit zwischen den Männer und Frauen, die den 16 Kooperativen angehören, hat die Organisation kürzlich eine Zertifizierung erhalten, die ihre vorbildliche Arbeit anerkennt.

LINK zum Projekt COOPERATIVE SOPPEXCCA

Die Kooperative ORO VERDE in Peru

Die Kleinproduzentenkooperative und Oro Verde in der peruanischen Region Lamas ist seit 2003 Fairtrade-zertifiziert. Die peruanischen Kooperative ist ein langjähriger Partner Luxemburg und produziert 100% Fairtrade und Bio-Kaffee. Auch die Kakaoproduktion hat in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen.

Deciderio Lozano Rios produziert seit vielen Jahren Kaffee und Kakao. Dank seiner Erfahrung kann er andere Produzenten in der Kooperative ausbilden und seine "Best Practices" für nachhaltige und biologische Landwirtschaft weitergeben. "Indem ich meine Erfahrungen mit den anderen Mitgliedern der Kooperative teile, hoffe ich, dass auch sie eine höhere Qualität erreichen und damit bessere Zukunftsperspektiven haben."

Der faire Handel hat für die Mitglieder von Oro Verde entscheidende Veränderungen mit sich gebracht. Beispielsweise konnte die Kooperative ein Lager für Kaffeebohnen finanzieren, wodurch deren Qualität verbessert werden kann. "Der Faire Handel ist der beste Handel, den man haben kann. Die Mitglieder von Oro Verde identifizieren sich mit den Werten der Kooperative. Fairtrade-Prämien ermöglichen es uns, weiterführende Schulungen in technischen und sozialen Bereichen zu organisieren, die uns bei der Weiterentwicklung helfen. Die Verbraucher in Luxemburg müssen sich die Bedeutung des Kaufs unserer Produkte vor Augen führen, da sie zur Verbesserung der Lebensqualität der Produzenten beitragen."

Link zum Interview mit DECIDERIO LOZANO RIOS

4. Einige Zahlen zum Fairtrade-Kaffee in Luxemburg...

In Luxemburg wird Kaffee sehr geschätzt. 1992 war Fairtrade-Kaffee das erste Fairtrade-zertifizierte Produkt, das auf dem luxemburgischen Markt eingeführt wurde. Heute finden wir es in den Weltläden, in Supermärkten, Bioläden, Tankstellen, Online-Shops und sogar im HORECA. Zudem gibt es 11 luxemburgische Akteure, darunter 6 Röstereien, die sich für Rohkaffee entscheiden, der den Fairtrade-Standards entspricht. Von den 180 in Luxemburg vertretenen Fairtrade-Kaffeesorten stammen 55 Referenzen von luxemburgischen Akteuren. Der Fairtrade-Kaffeekonsum in Luxemburg unterliegt ständiger Veränderung. Mit einigen wenigen Tonnen Kaffee, die Anfang der 90er Jahre konsumiert wurden - 12 Tonnen im Jahr 1992 -, hat sich Fairtrade-Kaffee mit 328 Tonnen im Jahr 2017 und einem Marktanteil von rund 10% im Laufe der Zeit als einer der wichtigsten Akteure auf dem luxemburgischen Markt positioniert. Die Kaffeeverkäufe von luxemburgischen Unternehmen sind zwischen 2016 und 2017 um 7% gestiegen und machen rund 42% des globalen Fairtrade-Marktes aus.

Link zum Interview mit Francisco Van Der Hoff

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