ONLY - Ein Sensibilisierungsprogramm um Menschenrechtsverletzungen und der massiven Benutzung von Pestiziden ein Ende zu setzen

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ONLY - Ein Sensibilisierungsprogramm um Menschenrechtsverletzungen und der massiven Benutzung von Pestiziden ein Ende zu setzen

von Fairtrade Lëtzebuerg

Die meisten Bananen, die in Luxemburg verkauft werden, gefährden die Existenz der Bananenbauern*innen. Tatsächlich müssen viele für Hungerlöhne weit unterhalb des gesetzlichen Mindestlohns arbeiten. Um bessere Erträge zu erzielen, werden zudem oft hochgiftige Pestizide eingesetzt, trotz negativer Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiter*innen.

Das deutsche Magazin ÖKO-TEST[1] hat 22 im Handel erhältliche Bananen auf die Präsenz von giftigen Pestiziden getestet. Das Resultat ist eindeutig: alle konventionellen Bananen enthalten Pestizidrückstände, sowohl in der Schale als auch öfter im Fruchtfleisch. Für das Magazin ist „Fairtrade der Goldstandard.“

In ihrer Studie „Des fruits au goût amer[2]“ berichten Oxfam und Peuples Solidaires – ActionAid France über die unwürdigen Arbeitsbedingungen in den Bananenplantagen. So verweigern sich die Arbeitgeber zum Beispiel bewusst die Arbeiter*innen über ihre Rechte zu informieren. Im Ecuador haben viele Arbeiter*innen sogar nie ein Exemplar ihres Arbeitsvertrags erhalten. Andere Arbeiterinnen erzählen, wie ihnen wegen ihrer Schwangerschaft gekündigt wurde und sie jegliche soziale Versicherung verloren hatten.

Only: ein Sensibilisierungsprogramm für unsere Luxemburgischen Partner

Um gegen diese dramatische Situation vorzugehen ruft Fairtrade Lëtzebuerg, im Rahmen der „Make Bananas fair“ Kampagne, ein neues Sensibilisierungsprogramm ins Leben um der massiven Benutzung von Pestiziden und den Menschenrechtsverletzungen im Bananenanbau ein Ende zu setzen. Dieses Programm, ONLY, richtet sich an die luxemburgischen Partner, die sich dafür entschieden haben ihren Kunden exklusiv 100% Fairtrade Bio-Bananen anzubieten. Die Sodexo-Gruppe und Les Epiceries du Luxembourg Pall Center waren die Ersten die sich komplett umgestellt haben. Mittlerweile haben auch andere Partner wie die Alima Supermärkte, Restopolis oder der Dorfladen „Beim Lis“ (elisabeth Gruppe) sich entschieden dem Programm beizutreten und so zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bananenproduzenten im Süden beizutragen.

Während Sportveranstaltungen sind Bananen sehr beliebt, deshalb hat sich das Office Régional de Tourisme Moselle Luxembourgeoise, Organisator der „Grenzenlosen Wanderung[3]“, dafür entschieden den Teilnehmern Fairtrade Bio-Bananen auszuteilen. Das Unternehmen Grosbusch, Sponsor der „Route du vin[4]“, hat sich für dieses Rennen ebenfalls für eine Teilnahme am ONLY Programm entschlossen.

Andere Unternehmen haben sich das Ziel gesetzt in naher Zukunft auf 100% Fairtrade Bio-Bananen umzusteigen. Fairtrade Lëtzebuerg begleitet sie während dieser fairen und umweltbewussten Wende.

ÖKOTEST: konventionelle Bananenproduktion ohne Respekt für Mensch und Umwelt

Das ÖKO-TEST-Magazin hat weltweit die Hintergründe der beliebtesten Frucht untersucht. Die Erkenntnisse dieser Studie zeigen, dass die konventionelle Bananenproduktion generell mit wesentlichen sozialen und ökologischen Problemen gleichzustellen ist. Zum einen gehören unwürdige und gefährliche Arbeitsbedingungen, sowie sehr niedrige Löhne zum Alltag der Arbeiter*innen. Zum anderen vervollständigt die massive Benutzung von Pestiziden, insbesondere deren Versprühung per Flugzeug, das Gesamtbild. Im Costa Rica werden zum Beispiel 40 kg Pestizide pro Jahr pro Hektar in der Bananenproduktion benutzt. Natürlich leidet die lokale Bevölkerung unter diesen umweltschädlichen Monokulturen: dramatische Steigerung an Krebserkrankungen, Unfruchtbarkeit, Bodenverarmung, verschmutzte Gewässer, Fischsterben, usw. sind nur einige der Folgen.

Im Ecuador benutzt die Bananenindustrie hochgiftige Substanzen wie das in der EU verbotene Mittel Paraquat, oder die krebserzeugende Stoffe Mancozeb und Glyphosat. Diese chemischen Mittel werden nach wie vor von Flugzeugen versprüht. In einer Untersuchung antworteten 60% der befragten Arbeiter*innen, sie würden während oder unmittelbar nach dieses Aerial Sprayings in der Plantage arbeiten. Die ecuadorianischen Behörden empfehlen allerdings eine gewisse Wiederbetretungsfrist nach dem Einsatz der Sprühflugzeuge. In Costa Rica berichten die Arbeiter*innen ebenfalls über Flugzeugeinsätze während sie in den Feldern arbeiteten. Sie beschweren sich oft über die hohe Behinderungsrate, Fehlgeburten und Krebserkrankungen in den angrenzenden Wohngebieten. Sie berichten auch über die Häufigkeit von Atemwegserkrankungen, Schwindel, Hautreizungen und Übelkeit. Die Erkenntnisse verschiedener Studien[5] stimmen mit diesen Aussagen überein. Viele Plantagen haben noch nicht die nötigen Maßnahmen getroffen um ihre Arbeiter*innen zu schützen.

Die Anwesenheit von Imazalil und/oder Bifenthrin in den konventionellen Proben der ÖKO-TEST Studie ist besonders bedenklich. Laut europäischem Gefahrstoffrecht sind beide Stoffe als vermutlich krebserzeugend eingestuft. Imazalil ist ein Fungizid, das die Bananen auf dem Transport nach Europa vor dem Verfaulen schützt. Dieses Mittel kann das Nervensystem angreifen und führt zu Reproduktions- und Entwicklungsstörungen. Bifenthrin wehrt Insekten ab und wird zum Schutz vor Insektenstichen eingesetzt, denn diese würden braune Flecken auf der Banane verursachen. Bifenthrin ist hochgiftig für Bienen, Fische und andere Wasserorganismen, und auch schädlich für den Menschen. Im Test blieben die Pestizidrückstände zwar unter den gesetzlichen Höchstmengen, allerdings ist die durchgehende Belastung der Bananen mit mehreren krebserzeugenden Pestiziden besonders besorgniserregend.

FAIR & Bio: die Empfehlung von ÖKO-TEST

Demgegenüber enthielt keine Fairtrade Bio-Banane Pestizidrückstände. Sie wurden alle als gut oder sehr gut bewertet. Diese ausgezeichneten Resultate erklären sich durch das Verbot von hochgiftigen Pestiziden. Die Fairtrade-Standards setzen auf eine nachhaltige Produktion.

Außerdem erhalten die Produzenten*innen eine Prämie von einem US-Dollar pro Kiste Bananen, die für soziale Projekte oder zur Verbesserung der Produktion eingesetzt wird. Die vorgeschriebenen Sozialforderungen basieren auf einer umfassenden Umsetzung der Kernarbeitsnormen der International Labour Organization (ILO). Hier spielen die Mitsprache der Produzenten*innen und die Zusammenarbeit mit Gewerkschaften eine wichtige Rolle.

ÖKO-TEST empfehlt also Fairtrade-Bio-Bananen, um sicher zu gehen, dass die Produzenten*innen angemessene Preise erhalten und unter fairen Bedingungen arbeiten. Die Bio-Produktion garantiert zusätzlich den Verzicht auf chemische Pestizide.

 

[1] ÖKO-TEST Magazin, Januar 2018

[2] cf. www.oxfam.de/system/files/oxfam_web_des_fruits_au_gout_amer.pdf 

[3] www.visitmoselle.lu/fr/article/2018/08/a-ne-pas-manquer-randonnee-sans-frontieres

[4] www.routeduvin.lu

[5] cf. vorhin erwähnte Studie von Oxfam und Peuples Solidaires – ActionAid France, oder folgende weitere Studien: „Das krumme Ding mit der Banane“ (suedwind-institut.de/files/Suedwind/Publikationen/2012/2012-17%20Das%20krumme%20Ding%20mit%20der%20Banane.pdf) und „Süße Früchte, grosses Elend“, Artikel in Eins (www.oxfam.de/system/files/oxfam_eins_sommer2016_web.pdf

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